

Die Südostschweiz Ausgabe Graubünden Mittwoch, 14. September 2005
Nicht mit der Natur spielen
Die Gentechfrei-Initiative erhält Unterstützung aus Graubünden
Ein neu gegründetes Bündner Komitee befürwortet ein fünfjährige Moratorium für Gentechnik in der Landwirtschaft. Aus diesem Grund setzt es sich für die entsprechende Volksinitiative ein, über die am 27. November abgestimmt wird.
VON PATRICIA WOLF
Der Bündner Bauernverband, der kantonale Landfrauenverband, Umweltschutzorganisationen sowie auch der Bündner Tierschutz haben sich zusammengetan und das «Bündner Komitee gentechfrei» gegründet. Gemeinsam wollen die Organisationen die am 27. November zur Abstimmung gelangende Gentechfrei-Initiative (siehe Kasten) unterstützen, wie ihre Vertreter gestern an einer Medienorientierung in Felsberg bekannt gaben. Denn sie sind überzeugt, dass eine umweltfreundliche und tiergerechte landwirtschaftliche Produktion keine Gentechnik braucht.
«70 Prozent der Schweizer Bevölkerung wollen keine Gentechnik, weder in der Landwirtschaft noch bei Lebensmitteln», erklärte Nationalrat Hansjörg Hassler, Präsident des Bündner Bauernverbandes. Dagegen sähen die Pflanzen- und Agrarforscher sowie die Gentechnik-Industrie in der Gentechnologie aber ein Entwicklungspotenzial für die Landwirtschaft. Dem steht Hassler skeptisch gegenüber. Die Risiken der Gentechnologie seien noch zu wenig bekannt. Wenn auf diesem Gebiet Fehler passierten, dann gebe es kein Zurück mehr. «Mit der Natur dürfen wir nicht spielen sie schlägt irgendwann zurück.»
Problem Verunreinigung
Weiter gab Hassler zu bedenken, dass die Schweiz sehr kleinräumig sei, deshalb sei ein Nebeneinander von Gentech-Landwirtschaft und gentechfreier Landwirtschaft nicht möglich. Die Felder von biologisch und integriert produzierenden Bauern könnten durch Pollenflug von gentechnisch veränderten Pflanzen entscheidend verunreinigt werden. Wie sich der Biobauer dagegen schützen könne, dass seine Kulturen infolge eines Einsatzes von Gentechnologie durch seinen Nachbarn verunreinigt würden, sei noch nicht geklärt.
Ausserdem sieht Hassler in der Gentechfreiheit eine neue Marktchance für die Schweiz. Die Landwirtschaft müsse im Hocchpreisland Schweiz produzieren und könne deshalb nicht zu Weltmarktpreisen anbieten. Hassler sieht den Trumpf der Schweiz darin, dass sie sich durch hohe Qualität vom Ausland abhebt und sich gleichzeitig als gentechfrei positioniert.
Schädlich für das Image
Marta Padrun, Präsidentin des Landfrauenverbands Graubünden, vertrat dieselbe Meinung. «Wir Bäuerinnen und Landfrauen wollen keine Gentechnik in unseren Lebensmitteln, die wir mit viel Liebe anpflanzen, verarbeiten und direkt vermarkten.» Der Direktverkauf ab Hof trage wesentlich zum guten Image der Bündner Landwirtschaft bei.
Auch der WWF unterstützt die Gentechfrei-Initiative. Wie Geschäftsführerin Anita Mazzetta erläuterte, waren in den Neunzigerjahren die Weichen für eine naturnahe Landwirtschaft gestellt worden, womit auch die Biodiversität in der Landwirtschaft wieder eine Chance bekommen habe. Mit der Gentechnik werde das Rad zurückgedreht, denn Untersuchungen zeigten, dass die biologische Vielfalt in Gentech-Kulturen zurückgehe. «Gerade Graubünden, das auf 'naturnah' und 'echt' setzt, kann sich verseuchte Lebensmittel nicht leisten.»
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Bündner Tagblatt, Mittwoch, 14. September 2005 |