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Wiedereinstieg in die Atomkraft

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Ständerätliche Geisterbeschwörung oder Kalkül?

Auf den Tag genau 15 Jahre nach der AKW-Katastrophe von Fukushima – am 11. März – bejahte der Ständerat die politischen Anliegen zum Wiedereinstieg in die Atomkraft. Aus diesem Anlass rief die Schweizerische Energiestiftung SES am Tag zuvor zur Übergabe ihrer Petition auf die Bundesterrasse, an welcher auch der Bündner Nationalrat Jon Pult teilnahm. Seine Botschaft: «Atomstrom ist der eigentliche Flatterstrom».

Wie die SES in einer kürzlich veröffentlichten Studie festhält, wäre ein Wiedereinstieg in die Atomkraft nicht nur mit Blick auf die militärische Sicherheit und die Gesundheitsrisiken für die Bevölkerung fatal. Bereits ein eventueller Wiedereinstieg in die Atomkraft brächte die erfolgreiche Schweizer Energiewende ins Stocken. «Die Energiepolitik des Bundes würde an Fokus und Glaubwürdigkeit verlieren, was insbesondere kleine Investor:innen verunsichert, die über 50 % des Ausbaus verantworten.» Noch gravierender wäre eine tatsächliche Kehrtwende in der Schweizer Energiepolitik, zurück zur Atomstromwirtschaft: «Die Erneuerbaren-Ausbauziele bis ins Jahr 2035 gemäss Stromgesetz würden klar verfehlt, ebenso die Klimazwischenziele gemäss Klimaschutzgesetz bis 2040.»

Wieso das Ganze also? Alex Reichmuth, früherer Weltwoche-Redaktor, brachte es in seinem Newsletter kürzlich auf den Punkt: «Sollten neue AKW gebaut werden, werden so hohe Investitionen nötig sein, dass kaum mehr etwas übrig bleibt für Sonne und Wind. (..) Bereits die Streichung des Neubauverbots würde wohl dazu führen, dass die Energiewende in ihrer ursprünglichen Form Geschichte wäre.»

Der Ständerat hatte am 11. März kein Einsehen und ist auf diesen gesundheitlich, ökologisch, strom- und volkswirtschaftlich gefährlichen Zug ins Ungewisse aufgesprungen. Er will den Bau neuer AKW wieder zulassen und stimmte einem indirekten Gegenvorschlag zur «Blackout-Initiative» zu.

Dazu Jon Pult, Bündner Nationalrat, der am 10. März auch auf der Bundesterrasse stand, als die über 22'000 Petitionsunterschriften eingereicht wurden: «Atomstrom ist der eigentliche Flatterstrom: Die Energiekrise 2022 hat gezeigt, wie verletzlich das System ist, wenn plötzlich die Hälfte der französischen AKW ausfällt. Sonne, Wasser und Wind produzieren hingegen in gut planbaren Zyklen. Kombiniert mit genügend Speichern – etwa Pumpspeichern und Batterien – liefern erneuerbare Energien deshalb viel zuverlässigeren Strom als störanfällige, überteuerte und risikobehaftete AKW.»

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Nationalrät:innen geben Gegensteuer (von links): Marionna Schlatter (Grüne), Jürg Grossen (GLP), Nadine Masshardt (SP), Stefan Müller-Altermatt (Mitte), Isabelle Chappuis (EVP), Jon Pult (SP), Christophe Clivaz (Grüne) (Foto: K.Schuler)